creep 2 unsicherheiten……herbst 99

es ist der donnerstag nach dieser komischen hannover tour. ich sitze zu hause und könnte nur kotzen. irgendwie bekomme ich wirklich langsam panik wegen dem was dort in meiner leiste vor sich hin wuchert…
wenn man….im tagelangen drogen und medikamentenrausch zu hause sitzt..schmerzen hat und kein medikament anschlägt neigt man schon mal dazu in leicht panische phasen zu verfallen. ich meine..was zur hölle wächst sonst so schnell und schmerzt so stark außer n tumor…oder irgendwas anderes tödliches….? ich versuche mich abzulenken…telefoniere seit tagen wie bescheuert durch die weltgeschichte…nur um auf andere gedanken zu kommen…aber sobald ich den hörer auflege geht die panik von vorne los…meine benzokonsum ufert mal wieder total aus…aber sogar diese scheißegal pillen schaffen es nicht mich wirklich zu beruhigen. was soll der scheiß…ich bin grade mal 25 und jetzt so ein dreck.
meine mutter kann sich das gewimmer am telefon nicht mehr anhören und beschließt das ich für ein paar tage zu ihr komme. dazu wohnt sie näher an meinem doc..und zu dem muss ich entweder heute oder morgen eh noch einmal. so geht das wirklich nicht weiter.
im laufe des vormittags packe ich also ein paar klamotten zusammen setze mich aufs sofa..und warte darauf das meine ma feierabend hat und mich abholt.
das warten macht mich wahnsinnig…und meiner mutter zu liebe will ich mich nicht zu sehr mit den oxas abschießen…die muss mich so nicht sehen.
ich versuche kati (meine zugbekanntschaft) zu erreichen…die wollte mich eigentlich am wochenende wieder besuchen….wird wohl nix draus….aber jedes mal wenn ich die nummer wähle ist entweder besetzt oder keine sau geht ans telefon. mir platzt der kragen und ich fange an gegenstände die sich in greifbarer nähe befinden durch meine bude gegen die wand zu schmeißen…ist ja auch nicht weiter schlimm…aber vielleicht hätte ich nicht den vollen aschenbecher…aus glas…nehmen sollen. die asche und die kippenstummel verteilen sich in einer großen staubigen wolke im zimmer..und der aschenbecher zerspringt mit einem lauten scheppern in tausend kleine und größere scherben…prima gemacht flippy…jetzt kannst du krüppel auch noch die bude sauber machen.
da mir der staubsauger zu schwer ist fege ich den ganzen kladderadatsch erst einmal zusammen..und genau in diesem moment klingelt meine mutter an der tür. ich öffne ihr heulend und falle ihr einfach um den hals…irgendwie bin ich grade total am ende.
sie hilft mir die schweinerei zu beseitigen und beruhigt mich erst einmal ein…ein nicht grade einfaches unterfangen in meiner derzeitigen stimmung…aber ok….mütter können so was ganz gut..und nach einer guten stunde intensiver unterhaltung packen wir meine reisetasche in ihr auto und sie nimmt mich mit in ihre ca. 20 km entfernte wohnung.

die fahrt bringt mich auf andere gedanken.
ich quartiere mich in ihrem wohnzimmer ein und wir beschließen am freitag morgen meinen arzt zu besuchen…er soll sich verdammt noch mal was einfallen lassen…mir reicht es langsam das ich vor schmerzen kaum noch laufen kann.
meine mutter kloppt uns noch was zu futtern in den ofen…wir verbringen den restlichen nachmittag mit reden und erzählen…und irgendwann schlafe ich…betäubt durch benzos und codein auf dem sofa ein.
wie gewohnt werde ich in den frühen morgenstunden wach…saufe meine bittere dhc-plörre und schleppe mich unter die dusche.
nach einem dürftigen frühstück (irgendwas mit toastbrot) bringt meine mutter mich zum doc..
der erkennt auch das es so nicht weitergeht und wir entscheiden uns das ich lieber mal für ein paar tage ins krankenhaus gehen solle. da meine mutter noch arbeiten muss planen wir das sie mich nachmittags ins kurkaffkrankenhaus bringt.
die zeit bis dahin verbringe ich jammernd und gelangweilt vor der glotze meiner mutter.
am nachmittag ist es dann so weit. nach einem verspäteten mittagessen laden packen wir meine tasche ins auto und fahren zurück richtung kurkaff.

dort angekommen schickt mich der anmeldefuzzi auf die chirurgie zum behandelnden stationsdoc.
der sieht sich meinen knoten in der leist und den fiesen abszess an meinem hintern an und beschließt das wir uns zuerst das dingen in meiner leiste vornehmen. nach kurzer überlegung beschließt er das ich noch heute in den op verfrachtet werde und die mir das knubbelteil erst einmal rausschneiden. ok..find ich gut..dann hab ichs wenigstens hinter mir.
meine mutter flitzt zwischenzeitlich zum supermarkt um mir noch ein paar hauslatschen zu kaufen…während ich mit dem narkosedoc über meine medikamente und den verlauf der op rede. pflichtbewusst wie ich bin erkläre ich ihm meine situation und natürlich erwähne ich auch meine dhc-substi.
der arzt verlässt das zimmer…um geschlagene zwei minuten später mit dem stllvertretenden stationswilli wieder in mein zimmer zu stürmen und mich in sein büro zu bitten.
was dann folgt ist ein paradebeispiel für den umgang mit süchtigen.
es prasselt eine tirade an blödsinn auf mich nieder die ihresgleichen sucht. ich sei eine seuchengefahr für das ganze krankenhaus….ich hätte das sofort erwähnen müssen…(am besten gleich unten bei der anmeldung) und er würde mich ohne hiv und hep test nicht aufnehmen um sein personal nicht zu gefährden. es interessiert ihn auch herzlich wenig das ich ihm meine arme zeige und diese relativ einstichfrei sind…es interessiert ihn nicht das meine letzten tests alle negativ ausgefallen sind….er will mich los werden. ich soll mitte nächster woche zur voruntersuchung kommen und dann auf die tests warten…mindestens zwei wochen….bravo.

gott sei dank habe ich meine klamotten noch nicht ausgepackt…also sitze ich wieder mit meiner reisetasche im zimmer und warte auf die rückkehr meiner mutter…..die kommt…fällt aus allen wolken…..lässt einen schwall flüche in richtung doc los… wir verabschieden uns…leicht angepisst….aus dem irrenkrankenhaus im kurkaff und fahren erst einmal zu ihr zurück nach hause.
dummerweise hat mein doc schon zu…also bin ich gezwungen das wochenende bei meiner mutter auf dem sofa zu verbringen (gezwungen dswg. weil ich eigentlich gehofft hatte das im krankenhaus mal irgendwas gescheites passiert….das wochenende bei muttern war eher erholsam und gott sei dank nicht so sehr von depressionen geplagt).
ich organisiere mir noch etwas zu rauchen und verbringe die tage im leichten koma auf dem sofa meiner mutter. meine leiste schmerzt so derbe das ich die wege die ich laufe auf das nötigste beschränke ( jaaaa….was zu rauchen zu organisieren war was nötigstes).
also liege ich rum…glotze bekifft und auf codein in die flimmerkiste…telefoniere rum…und lasse mich pflegen. so kann das leben schön sein….

am montag morgen….meine mutter hat sich den vormittag frei genommen…fahren wir wieder zu meinem doc und berichten ihm von dem lustigen erlebnis im kurkaffkrankenhaus. der schüttelt ungläubig den kopf…regt sich auf über die ärzte und gibt mir zwei möglichkeiten…entweder ich warte bis das kh das mich so freundlich abserviert hat seine testergebnisse am start hat….würde bedeuten noch ne woche zu hause rumsitzen und nichts passiert….oder aber nach kb in die klinik. ich entscheide mich für kb. das krankenhaus in kurcity sieht mich so schnell nicht wieder…außerdem bin ich in kb auch näher an meiner heroinquelle. mit einem rezept für meinen dhc-saft und einem weiteren rezept für oxas geht es noch schnell in die apo…dann weiter zu muttern…die reisetasche in den kofferraum geflackert…und auf die nächste klinikodyssee.
was mir nicht wirklich bekannt war….oder ich hatte davon gehört aber es erschien mir nicht wirklich wichtig….das krankenhaus in kb hatte zu dieser zeit einige probleme. gerüchten zur folge wurde der oberarzt abgesägt…wegen irgendwelcher geldgeschichten und eines kleineren substanzproblems…hust…die neue leitung war komplett überfordert mit der situation und die oberärztin..frau dr. T. hatte zwar irgendwie alles im griff…nur nicht die eigenen ärzte. ihrer eigenen klinik….also chaos pur…genau das richtige für mich…

weil die docs nicht wirklich wussten was sie mit mir anfangen sollten wurde ich zuerst mal auf die innere verlegt…und nicht auf die chirurgie. wie mir tell…mein kumpel aus kb der kurz vorher ein praktikum auf besagter station gemacht hatte….später berichtete war das mein glück…denn auf der chirurgie waren die zustände ziemlich wirr…auf der inneren zwar auch..aber das hielt sich meines erachtens in grenzen.
ich durchlaufe den ganz normalen aufnahmeprozess…und berichte wegen der lustigen erfahrung im krankenhaus bad a. direkt von meinem suchtproblemchen. die ärzte sehen es gelassen… sie bestehen zwar darauf das ich meine medikamente von den pflegerinnen ausgehändigt bekomme…und das war es erst einmal mit empörung. kein problem…in weiser voraussicht hatte ich vor der fahrt ins krankenhaus meinen saft aufgeteilt. einen teil für die schwestern…zur kontrollierten vergabe…und einen teil für meinen kleiderschrank.
die oxas befinden sich auch in meiner tasche…also kann der spaß beginnen.
meine mutter regelt alles technische…meldet telefon und fernseher an..und organisiert mir kopfhörer.
da mir gesagt wird das heute eh nix mehr passiert verabschiede ich mich von meiner ma…beziehe mein bett..und harre der dinge die da kommen.

kaum ist meine mutter verschwunden steht der stationsdoc im zimmer….her dr. frisch von der uni rau…fragt ob ich was brauche…wie stark die schmerzen sind…ob ich zusätzliche meds benötige und das ich mich auf ein paar tage krankenhaus einstellen solle weil sie halt ein paar untersuchungen machen wollen bevor sie an mir herumschnippeln. ok…klingt vernünftig. ich beantworte seine fragen…lasse mir zum pennen gleich erst einmal noch zwei oxas aufschreiben…bespreche die geschichte wegen dem dhc-saft mit ihm…also einnahmezeiten und dosierung usw.
die eine hälfte meines saftvorrates bringe ich ins schwesternzimmer….dort wird mir zusätzlich noch versichert das ich bei der morgigen visite antworten darauf bekommen würde wie es denn nun weitergeht.
nach all diesen formalitäten telefoniere ich mit tell und flecki. erst einmal ist es in krankenhäusern ja relativ wichtig wenn man mal besuch bekommt…und dann muss natürlich auch der nachschub gesichert sein.
tell und ich verabreden uns für den frühen abend. das krankenhaus in kb hatte (oder hat) am hintereingang zwischen der aussentür und einer weiteren tür einen raucherbereich eingerichtet. also quasi in einem schleusen ähnlichen durchgang. dort standen an jeder wand einige stühle und je ein aschenbecher. sonst durfte man..oh wunder…nur im cafe rauchen. das hatte natürlich ab 18:00 uhr geschlossen und man musste irgendwas kaufen um dort sitzen zu dürfen.
der hintereingang war immer offen…und meistens trafen sich dort die nikotinler.
ich scheine hie auch nicht ganz alleine zu sein mit meiner sucht…am späteren abend warten die patienten schlotternd in der kühlen abendluft auf die taxen und lassen sich chips…bier und korn liefern. dafür ist der hintereingagn perfekt.
tell kommt irgendwann am abend vorbei und bringt mir nen packen und folie mit…er hat sogar ein röhrchen zum rauchen gebastelt…prima service…
wir rauchen das erste blech gemeinsam im kleinen park hinter der klinik…dann muss tell auch wieder los…irgendwelche wichtigen termine die man als druffi nun einmal hat stehen an. nach ner abschließenden kippe verziehe ich mich aufs zimmer und glotze fern.
da es nach 20uhr ist hohle ich mir von der nachtschwester meine oxa und meine abendliche kappe saft ab…schleiche auf die toilette in die hintere kabine…öffne das fenster…setze mich in den rahmen und rauche noch ein weiteres blech. weil mir das kippen rauchen auf dem klo zu gefährlich ist…wegen dem rauchmelder…taumel ich zum aufzug und setze mich in den raucherbereich. dort sitzen noch zwei andere jüngere patientinnen die meinen drogeninduzierten laberanfall mit voller breitseite abbekommen. mit einer dieser beiden patientinnen führe ich ein ausschweifendes gespräch über einen bekannten schweizer eurodance-act (sie outete sich als riesiger fan).
nach einiger zeit schlägt die oxa (eigentlich die zwei oxas…hust) so derbe ein das ich schon aufpassen muss nicht im raucherraum einzupennen. also auf zum aufzug…und dann gekonnt ins bett gestolpert. ich schlafe wie ein stein.

am nächsten morgen kommt erst einmal die visite vorbei…inklusive frau dr. t….und irgendwie sind die ärzte ziemlich ratlos. von einem einfachen geschwollenem lymphknoten bis hin zu irgendwelchen wucherungen ist alles im programm. bravo. ich liege in ner klinik und keine sau kann mir erzählen was der mist da eigentlich sein soll. aber wenigstens sind sich die ärzte einig das man mich in diesem zustand nicht mehr nach hause lassen sollte. es werden ein paar untersuchungen angeordnet (unter anderem ähnliche tests wie in dem ersten krankenhaus..nur mit dem unterschied das mir kein arzt dumm kommt) und mir wird erklärt wie und warum besagte tests gemacht werden müssen (ausschluss von infekten,..weil eben infekte auch die lymphknoten schwellen lassen könnten usw). zudem wird sich erkundigt ob ich erst einmal mit meinen medikamenten versorgt bin…sonst würde sich das krankenhaus auch um ersatz kümmern. das aus dem mund einer leitenden ärztin zu hören überrascht mich positiv.

es wird blut abgenommen..ultraschall usw. und nach drei weiteren tagen sind sich die ärzte noch immer nicht einig was ich eigentlich da für nen knubbel habe. fuck.
ich vertreibe mir die zeit in der klinik mir meinen hobbys…drogen drogen und drogen….und lasse das ganze erst einmal ziemlich unentschlossen über mich ergehen. zwar kommen anfänglich wieder einige zweifel auf ob es nicht doch ne beklopptere krankheit sein könnte…aber wenigstens passiert mal was..das beruhigt schon ein wenig.
dazu kommt das man sich natürlich auch storys anderer patienten anhören kann..eine nette frau..mitte 40..locker drauf..rock am ring fan usw…z.b. kommt grade aus dem urlaub…und von heute auf morgen laufen ihre augen gelb an..kurz darauf ihre haut..sie bekommt wasseransammelungen im körper…und kein arzt kann ihr erklären was sie eigentlich hat. wenn man solche geschichten hört dann kommen einem seine eigenen wehwehchen so unendlich klein vor.

einige tage später…der stationsdoc…herr dr. frisch von der uni R. teilt mir mit das alle untersuchungen durch sind und in den ergebnissen nix auffälliges zu finden sei. er könne sich aber auch nicht wirklich erklären wat dat dingen in meiner leiste denn nun eigentlich sein könnte. prima…langsam werde ich etwas ungeduldig. da liegste fast ne woche im kh..und bist ähnlich schlau wie am tag der aufnahme. er schlägt mir vor das man ne gewebeprobe nehmen könne…n kurzer schnitt..und dann wird der knubbel eingeschickt. ok..eingewilligt..hauptsache ich bin das teil erst einmal los.
meine frage ob man mir das olle ekzem am hintern nicht auch gleich mit rausschnippeln könnte beantwortet er mit einem nein. ist irgendwie op-logistisch nicht durchführbar. mhh..nun denn..hoffentlich muss ich dann nicht noch mal unter die klinge.
der termin für den eingriff wird festgelegt…und weiter geht´s mit dem warten.

als ich meine mittägliche dosis saft abholen will überrascht mich die oberschwester (mitte 40 und vom typ her ziemlich unscheinbar…also typ dauerwelle halt^^) mit einem wirklich merkwürdigen spruch. beim abfüllen der dosis in den messbecher zwinkert sie mir zu…grinst…und sagt: irgendwie reizt mich der gedanke das zeug auch mal zu probieren…und deutet dabei auf meine flasche dhc-saft. mein angebot sie könne sich ja einmalig n schlückchen abzapfen lehnt sie dankend ab…und erklärt mir..laut lachend..das sie da doch zu viel respekt vor dem zeug hat. ok..bleibt mehr für mich (obwohl ich langsam angst bekomme das die mir ohne mein wissen die pulle leer saufen könnten)
am nachmittag kommt der anästhesist vorbei…bespricht mit mir die prozedur der op…und befragt mich zu meinem medikamenten und drogenkonsum. natürlich kommt die frage auf wann ich denn das letzte mal heroin genommen habe…und natürlich kommt die ehrliche antwort: gestern..so gegen 19:00 uhr.
dieser blick von dem arzt…das kopfschütteln….göttlich. etwas verständnisloses gemurmel seinerseits..und die frage meinerseits ob er denn glauben und erwarten würde das ich meine sucht einfach ausknipsen könne nur weil ich ein krankenhaus betete brechen das eis. wir vereinbaren das ich bis zur op nur noch meine medikamente nehme und die shore aus dem kopf lasse…einfach um das dosieren des narkosemittels nicht zu erschweren. das ist ne klare ansage an die ich mich halten kann.

der tag der op….die dhc-schwester bringt mir die op-klamotten und bereitet mich auf den kurzen eingriff vor. jetzt heißt es warten…aus langeweile und einer doch leicht aufkommenden nervosität frage ich nach der eigentlich vor operationen typischen beruhigungspille. die antwort ist ernüchternd: mit welchem medikament wollen wir sie denn noch beruhigen…bei ihrer oxazepam-dosis..sie sind ruhig genug…peng….mein gesicht..mein kopfschütteln…göttlich^^
im op schaffe ich es noch einen kurzen blick auf die spritze mit dem narkosemittel zu werfen…eine ziemlich große spritze mit einer milchig-weißen flüssigkeit…(wie ich hinterher vom arzt erfahren habe handelte es sich um propofol…das zeug was jahre später einen bekannten musiker überraschend in die ewigen jagdgründe befördern sollte…)…ich erinnere mich an ziemlich wirre träume…und eine schwester die mich kurze zeit später ziemlich rüde aufweckt. unter protest öffne ich meine augen…die op ist vorbei….ok…trotzdem hätten die mich ja noch n bissel dösen lassen können…
die schwester wundert sich ein bisschen das ich zwar kurz würge..mir aber nicht die seele aus dem leib kotze. eigentlich hab ich sogar etwas hunger. in meinem verballerten kopf erkläre ich ihr das ich..wenn es denn möglich wäre..mich gerne ein mal im monat hier einschläfern lassen würde. sie befindet das ich…aufgrund meiner ziemlich dämlichen aussagen…schon tauglich dafür bin wieder aufs zimmer gebracht zu werden…und los geht die reise.

im zimmer…schock. mein netter bettnachbar hat besuch…seine ganze kurdische familie hat sich im kreis um sein bett versammelt…plärrende kinder…brabbelnde frauen und männer (müssen so ca. 10 leute gewesen sein)…yeah..das rockt. gott sei dank bin ich so neben der spur das ich das nur ganz entfernt mitbekomme…und gott sei dank sorgt die codeinschwester für ruhe….schließlich bin ich frisch operiert.
bis zum frühen nachmittag döse ich vor mich hin…träume wirre drogenträume..und wache gelegentlich kurz auf..nur um zu erkennen das schlafen und den restrausch genießen die eindeutig bessere alternative gegenüber dem wach bleiben ist.
kurz nach mittag gönne ich mir noch eine kappe dhc aus meinem notvorrat im schrank..klingele nach der schwester..lasse mir noch eine offizielle kappe bringen…knabbere heimlich ein paar butterkekse die mir meine mutter vorsorglich gekauft hatte…(die kleinen mit schokolade)…und genieße das erneute aufkommen meines narkose-codein zustandes..
zwei punkte stören…ich kann nicht pinkeln…(schon gar nicht mit der nächsten kohorte besuch meines nachbarn im zimmer)…und ich würde gerne mal ne kippe rauchen…nur da hab ich strickte anordnung meiner lieblingsschwester das verlangen für heute besser ad acta zu legen…
weil mich aber in meinem süchtigen kopf normalerweise kein mensch zur vernunft bringen kann versuche ich erst einmal aufzustehen und dieses bekloppte op-hemd loszuwerden. relativ umständlich hatte ich mir wenigstens schon mal meine shorts angezogen. das konnte ich noch alles liegend managen…das aufstehen gestaltet sich da schon um einiges schwieriger….meine leiste schmerzt natürlich jetzt erst recht wie bescheuert …und beim versuch aufzustehen geben meine beine nach und ich habe mühe nicht vor versammelter manschaft auf dem hintern zu landen.
irgendwie schaffe ich es in meine jogginghose zu schlüpfen und mir trotz der infusionsverkabelung ein t-shirt überzuziehen. nach dieser anstrengenden geschichte falle ich erst mal wieder zurück auf mein bett.
natürlich kommt genau in dem moment in dem ich wieder erschöpft auf der matratze lande die grummeligste aller schwestern ins zimmer..bemerkt das ich mich aus dem bett bewegt habe…und sie fängt an wie ein rohrspatz zu schimpfen. da ihr anscheinend mein antwortendes grinsen nicht passt und sie meine aussage das ich gefröstelt habe nicht gelten lässt sinnt sie auf rache…wirft einen kontrollierenden blick auf meine pinkelflasche..entdeckt das selbige noch nicht benutzt wurde..und droht mir mit einem katheter wenn ich nicht bis heute abend pinkeln könne…
hmpf..der hat gesessen…der frau ist es ernst.

am späten nachmittag bzw. frühen abend bekomme ich endlich besuch von meiner mutter. das erste was ich ochse mache ist…ich überrede meine ma wache zu stehen vor der toilette auf dem flur damit ich a-eine rauchen und b-endlich in ruhe pissen kann.
gesagt getan…meine mutter hilft mir aus dem bett…und schritt für schritt humpele ich..gestützt auf infusionsständer und mein muttertier über den flur…zielstrebig richtung nikotinpegelauffüllungszeremonie. nach meiner ansage das..sollte meine ma es aus den toiletten rumpeln hören oder ich zu lange kein lebenszeichen von mir geben solle sie doch lieber die pfleger holen..verschwinde ich im gelobten raum. gott sei dank ist die kabine am fenster frei. ich lasse mich auf das klo fallen und pinkele als ginge es um mein leben. nach dieser anstrengenden aktion setze ich mich ans geöffnete fenster und zünde mir genüsslich eine kippe an….lehne mich aus dem fenster (in jeder hinsicht^^)…und nehme einen tiefen zug…erster gedanke…hmmm..schmeckt die gut…zweiter gedanke…mist..mir wird schwindelig…dritter gedanke…,setz dich alter…sonst liegste gleich hier.
so schaffe ich es grade noch die halbe kippe aus dem fenster zu befördern und mich mit leichtem rumpeln aufs klo zu setzen bevor ich mit größerem rumpeln in der ecke liege. watzefack war das denn jetzt…nach ein paar minuten regeneration hake ich das thema kippen für heute ab und wankel wieder aus dem klokabuff in richtung meiner leicht besorgten mutter..die anscheinend kurz davor war das klo zu stürmen um nach mir zu sehen.

wieder im bett…nass geschwitzt und sichtlich geschafft…verabschiede ich mich von meiner ma..nur damit ich kurze zeit danach wieder besuch von der kathederschwester bekomme…die freut sich schon das sie ihren rachegelüsten freien lauf lassen kann…lässt sich dann aber doch..dank einer anderen..etwas milder gestimmten schwester davon überzeugen das ich auf dem klo gesehen wurde. begeistert und kopfschüttelnd verabschiedet sich die grimmige welche…und ich kann beruhigt wieder einschlafen.

die nächsten tage nach der op verbringe ich ähnlich wie die tage vor der op…heroinrauchend auf krankenhaustoiletten…kippenrauchend in krankenhauseingängen…und gelangweilt im bett. so langsam tut sich ein neues problem auf. meine dhc vorräte sind langsam erschöpft. dr frisch von der uni R eröffnet mir das sie mich mit dhc-tabletten weiter behandeln könnten….meine dosis würde so zwischen 40-60 tabletten täglich liegen….(einer der wenigen momente in meinem leben in denen ich erst einmal gerafft habe wie hoch ich überhaupt dosiert bin)..und da mir das alles nicht so wirklich passt fährt meine ma bei meinem doc vorbei und fragt nach ob die praxis ihr im notfall das rezept auf meinen namen aushändigen könne…mit viel hin und her sagen die zu…also wäre im notfall auch das geregelt.
andererseits hoffe ich natürlich das in den absehbarer zeit das ergebnis aus dem labor mal eintrudelt. langsam mache ich mich wirklich verrückt das die mir irgendwas vorenthalten. ich bin schon kurz davor mich von meinen leuten zu verabschieden..solche panikattacken bekomme ich weil keine sau mit mir über den befund reden will.
meine entlassung wird auf montags festgesetzt….dann soll der bericht vom labor spätestens angekommen sein.
das wochenende ist der horror…(wochenenden im kh sind eh schon scheiße..aber unter solchen bedingungen kann man das dämliche befinden noch mal mit 100 multiplizieren) .
montag morgen packe ich meine klamotten und warte….auf ein lebenszeichen der ärzte..der schwestern..whatever….und nix passiert. die visite erklärt mir das alles beim alten ist…nach dem dritten nachfragen verdrehen die normalen schwestern die augen…nach dem fünften nachfragen verdreht meine lieblingsschwester die augen…nach dem mittagessen verdrehe ich die augen….
am frühen nachmittag sitze ich heulend auf dem bett…meine mutter sitzt beruhigenderweise neben mir und leidet mit. seit dem mittagessen habe ich keinen bock mehr stündlich ins schwesternzimmer zu laufen und mir immer wieder die gleiche antwort abzuholen……erst so gegen 15:00 uhr starte ich den nächsten versuch…und bekomme die kurze und knappe antwort: ihr befund liegt doch seit ner guten stunde hier…alles in ordnung..war nur n verstopfter lymphknoten..sowas kommt vor. ich nehme den entlassungsbrief entgegen und bin kurz davor amok zu laufen…ich glaube die haben den schuss nicht gehört. leicht angepisst aber ziemlich erleichtert verabschiede ich mich und auf geht´s nach hause..erst einmal wieder zu meiner ma…und nach zwei tagen erholung vom krankenhaus geht es weiter in meine wohnung…ohne todesangst..dafür aber mit ner neuen flasche saft und einigen grauen haaren mehr.

ach ja…was wurde eigentlich aus dem abszess an meinem allerwertesten der…meiner meinung und der meinung meines hausarztes nach das ganze desaster erst ausgelöst hat.
mein doc veruschte es noch einmal mit einer killerdosis penicillin….eine woche und knapp 60 tabletten später war das ding verschwunden…(die einzelheiten erspare ich euch jetzt mal)…also blieb ich von einem weiteren krankenhaus aufenthalt auch verschont…nach den erlebnissen war ich da gar nicht wirklich böse drum. also ente gut..alles gut.

stay tuned

euer druffi

Advertisements

~ von realflippy - 07/04/2015.

10 Antworten to “creep 2 unsicherheiten……herbst 99”

  1. Hey melde dich doch mal bitte bei mir ich bin in einer ähnlichen lage wie du und würde mich freuen wenn du mir tips geben kannst diese ärzte sind doch alle behindert.. bitte melde dich per mail oder skype …

    mail : nicogoihl1337@gmail.com
    skype : nicoownsyou

    danke und alles gute für deinen weiteren weg.

    lg

  2. Hallo Flippy,

    habe am gestrigen Abend (und bis ca. 01:30) alles gelesen.
    Schon mal drüber nachgedacht alles (und noch mehr) in ein Buch zu packen ? ICH würde es sofort kaufen und bin mir sicher, da nicht der Einzige zu sein…..
    Falls Du kein kommerzielles Interesse haben solltest, würde ich mich natürlich umso mehr freuen, hier regelmäßig neues lesen zu können.

    Für Dein weiteres Leben alles Gute!

  3. Hi, schreibst Du irgendwann noch weiter oder war es das erstmal? Hab Deine Geschichten immer sehr gerne gelesen, wuerde mich freuen wenn es noch weitergeht!

    • Ich schreibe auf jeden Fall weiter…bin zur Zeit aber physisch und psychisch etwas angeschlagen…n kleinerer Rückfall…beziehungsstress … zusätzlich noch probs mit der Gesundheit allgemein…daher erstmal die schreibpause
      Aber alleine das Chaos der letzten Wochen ist schon eine neue story wert…und die wird kommen sobald ich meine Probleme wieder halbwegs im griff habe
      Btw freut mich immer wieder wenn jemand schreibt das er oder sie meine Geschichten gerne liest.
      LG
      Der druffi

  4. Lieber Flippy,
    alles Gute für dich ! Ich bin auch schon auf deine nächste Geschichte gespannt.

    Grüße aus Leipzig,
    Katrin

  5. Gut zu wissen das es noch weiter geht.Freue mich schon auf neue Geschichten!Uns sonst, das wird schon wieder,kenne ich auch dieses ewige auf u. ab, eins kommt zum anderen und gerne auch mal alles zusammen, aber das geht auch wieder vorbei, jedenfalls alles gute fuer dich!
    Gruss Mike

  6. Hi, wollte nur sagen dass ich deine Geschichten echt gern lese. Freu mich immer wenn es wieder neue Einträge gibt. Du hast echt ne Gabe die besten Worte zu finden um alles wiederzugeben.

    Hoffe dir gehts wieder etwas besser.
    Lieben Gruss aus Ösiland!

  7. Hallo,
    wann gibts den wieder mal was neues von dir zu hören?
    Gucke schon täglich nach neuen Geschichten von dir..

  8. Hi,

    ich warte auch täglich auf neue Beiträge von dir. Würde mich sehr freuen bald mal wieder was neues von dir zu lesen. Unglaublich interessanter Blog, macht süchtig 🙂

    Gruß Chris

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