bauchlandung…methadon und benzos teil 5…die fast unendliche geschichte……frühling 2002

der morgen danach…also nach teil 4…gelle zwinker….wenn man drei wochen lang ohne großartig zu schlafen stundenlang auf seine medikation gewartet hat…im irrenhaus….lernt man es zu schätzen das man aufstehen kann wann man möchte…sich seinen druck macht..nen docht raucht..kaffee kocht..whatever.  also wusel ich mich durch den methadon und benzo geschwängerten tag…wobei das wichtigste ist mir nen neuen termin in der klappse zu organisieren…und der fällt auf den kommenden dienstag….den tag nach ostern…

die ostertage verbringen wir ruhig und dicht..chrissi wie gehabt auf alk..ich auf oxazepam und methadon…nachdem ich donnerstags noch einmal beim doc war um mir noch eine komplette wochenration zu ergattern….und es klappte..wahrscheinlich auch mit dem hintergrund das ich eh wieder in die entgifte gehe und dann offiziell in thera…also dachte sich mein doc wohl das er eh nix verkehrt machen kann……ich nahm mir sogar vor etwas von dem metha in erreichbarer nähe der station zu vergraben…aber irgendwie hatte ich am dienstag nach ostern dann doch nur noch genug um mich wenigstens für den tag noch etwas abzudichten..ich und drogen/meds einteilen…ne sache die noch nie wirklich funktioniert hat.

dieses mal finde ich auch keinen fahrer..also bin ich gezwungen die reise mit dem bus anzutreten..und das dauert fast den halben vormittag….in fkb frühstücke ich noch schnell nen pappigen burger…das letzte halbwegs vernünftige futter für lange zeit..dachte ich zumindest…und dann rein in den bus in richtung kloster-irrenhaus.

ankunft auf station..und ich sehe die gleichen gesichter wie vorher..mhhh…nicht nur bei den pflegern..nee..auch die meisten druffis haben ostern auffe station gefeiert…wer´s braucht…..da mein gepäck noch auf der station ist läuft die kontrolle relativ lasch ab….mein rucksack wird kurz kontrolliert…hosentaschen…that´s it.

bekomme sogar mein altes zimmer wieder..dumm nur das mein mit blähungen geplagter zimmernachbar auch noch da ist…dazu kommt noch mark..ein urtyp von einem punk…der meinem junky-kumpel murmel mal die frau ausgespannt hat…der freut sich n zweites loch in den hintern das ich pogues cd´s und gute bücher dabei habe und wir verstehen uns vom ersten moment an blendend…..er hat nen dicken blaster dabei…und wir unterhalten die station mit irish volk punk und anderem schrägen gedönse.

das arztgespräch verläuft auch relativ ausgeglichen….der letzte doc den ich hatte hat urlaub..und darum betreut mich jetzt eine ärztin..die zumindest offen für gespräche ist und mich versucht mit einer angeglichenen pola-dosis und oxas runterzuschrauben…auch wenn es etwas länger dauern sollte.

mein antrittstermin für die thera ist auch verstrichen…darum kümmert sich aber die sozifrau auf station. Nach einem tag soll ich mich bei dem typen melden und mit ihm besprechen wie es denn weiterläuft….ich mache mit ihm nen neuen termin aus und konzentriere mich erst einmal aufs entgiften.

der alltag ist ähnlich  wie im ersten anlauf…mit dem gravierenden unterschied das ich die ersten zwei wochen relativ easy abdosiert wurde und nicht von anfang an total entzügig über die station kriechen musste….das ändert sich aber schlagartig als die dosis zu niedrig wird…wahrscheinlich war es auch ein grober fehler benzos und metha zusammen abzudosieren…aber ich musste ja clean werden…und in der thera total sauber ankommen..also hatte ich keine andere möglichkeit…….also fing in der dritten woche das ganze programm wieder an…zittern…schwitzen..dünschiss..und ums verrecken ist an schlaf nicht zu denken.

keine ahnung wie ich diese woche überstanden habe…aber am wochenende…mein erster nulltag fällt natürlich wieder auf den samstag…war ich clean…und lag wimmernd vor der heizung weil ich diesen verdammten entzug nicht mehr aushalten konnte und so langsam auch nicht mehr wollte.

nun ist das problem auf entgiftungsstationen das im raucherraum einige junks sitzen…in verschiedenen stadien des runterkommens…und sich gegenseitig die tasche vollquatschen wie geil es doch wäre jetzt breit sein zu können…und in so einem zustand wie meinem hält man das normalerweise nicht sehr lange aus…vor allem nicht wenn man mitbekommt das aus dem gelaber langsam aber sicher eine konkrete planung zum heroinkaufen entsteht….nach kurzem zögern packe ich mir etwas kohle und stehe einige telefonate später mit nem anderen typen an nem sonntag abend in dem kleinen kaff an der tanke im regen und warte auf nen beutel shore…zitternd vor innerlicher kälte…mit schmerzenden beinen und im üblichen hoffentlich klappt das junky modus.    dumm nur das der stationsdoc direkt an uns vorbeifährt…aber in dem moment ist alles egal…der heroingedanke hatte sich festgefressen und ich will auf keinen fall noch einmal so eine nacht erleben…scheiß auf entgiftung…auf thera…aufs amt…auf alles…

irgendwann kommt n auto mit nem typ…n teenager-girl mit blondierten fettigen haaren und schiefen zähnen….wahrscheinlich die freundin des typen..kurbelt das beifahrerfenster runter und verlangt ziemlich großmäulig die kohle…meine begleitung reicht ihr das geld durchs fenster und wir bekommen n guten beutel heroin heraus gereicht….auf meine frage nach antesten usw. antwortet er das er den typen gut kennt und ihm vertraut…ok…wenn ein arschloch zwei anderen arschlöchern vertraut läuft auch meistens alles glatt…denk ich mir…und hoffe das mein merkwürdiges gefühl im bauch eher vom affig sein kommt und nicht von ner blöden vorahnung.

wieder auf station kommt das nächste problem…wie teilt man ca 7,5g shore auf ner station auf…ohne das die pfleger oder die zimmernachbarn etwas mitbekommen…unter dem aspekt das keine sau dem anderen so richtig vertraut….also gehen die zwei vertrauenswürdigsten…das sind tanja und ich…komisch..ich vertaue mir eigentlich am wenigsten…aber das liegt wohl daran das ich weiß was ich für ein arschloch sein kann…wenn es um drogen geht….mit nem notizblock auf mein zimmer…mein blähender freund wollte auch shore..der gehörte dazu…und markus war eh nur wg alk da..und er hatte genug knasterfahrung um sich um seinen scheiß zu kümmern und uns machen zu lassen…..wir teilten alles gerecht auf…mit ziemlicher paranoia…wäre ein pfleger ins zimmer gekommen und hätte den haufen und die bankkarte auf dem tisch gesehen…autsch….wir versuchen dann die briefchen unauffälig zu verteilen..auch das klappt noch ganz gut…

nach und nach verzogen wir uns auf die toiletten..in irgendwelche ecken auf dem gelände…aufs zimmer und kloppen uns den kram in die birne…ein teil der belegschaft hatte sich besteck organisiert und drückte sich den kram auf der toilette…aber da die typen nur zwei pumpen hatten verkneif ich mir das mal lieber.

also ist blech rauchen angesagt…tanja…auch ne notorische shore-raucherin hat vorgesorgt und mehrere tafeln alpia schokolade besorgt…irgendwie scheint sie den rückfall schon geplant zu haben…denn alpia hatte die schokolade in alufolie verpackt die sich im notfall auch zum heroin rauchen eignete…man musste sie nur besser abflämmen…sonst hatte man gelegentlich süßkram in der shore..und das schmeckt einfach scheiße und stinkt auch ziemlich ekelig.

wir gehen noch ne runde spazieren und suchen uns in einem torbogen ein windstilles plätzchen zum rauchen…gegen meine erwartung ist das h sogar richtig gut…mein entzug verschwindet zwar nicht schlagartig..aber nach dem zweiten blech kommt langsam aber sicher ein zustand der erleichterung in meine müden und affigen knochen…und ich friere nicht mehr so heftig…nach blech nr drei geht es mir richtig normal….wir tingeln noch einige zeit auf dem anstaltsgelände herum…und dann bewegen wir uns in richtung station.

dort angekommen muss ich ziemlich dringend pnkeln…gehe auf das stationsklo…und finde auf der einer ablage oberhalb der toiletten eine komplette fixerausrüstung..also löffel..spritze..filter….ich werde blass vor entsetzen..haben die idioten sich den verstand komplett aus der rübe geballert…wutentbrannt marschiere ich ins raucherzimmer…dort sitzt einer dieser stoffel….den kopf auf dem tisch…halb im aschenbecher…und sieht absolut verklatscht mit verdrehten augen zu mir hoch…ich muss mich zusammenreissen das ich den kerl nicht über den tisch ziehe…ich raunze ihn so leise wie es eben geht an das er seinen scheiß wegräumen soll und sich doch bitte ins bett verpissen möge..breit hier auf dem tisch zu liegen und sein besteck aufm klo zu vergessen ist einfach zu dezent für die klappse….er brummelt irgendwas vor sich hin…und wandert ziemlich breit in richtung scheißhaus.

ich rauche noch ne kippe und hau mich auch ins bett…endlich mal schlafen.

nach einem relativ ruhigen heroinschlaf wache ich am nächsten morgen ziemlich entzügig auf…schleppe mich ins raucherzimmer..drehe mir ne kippe…und bekomme gleich die gemischt gut-beschissene botschaft das die halbe station auf der liste zur urinkontrolle steht…nur tanja und ich stehen nicht drauf…ich lache mich trotz meines zustandes erst einmal schlapp…aber wie immer hab ich die rechnung ohne den kellner gemacht^^…….ich hatte in meiner affigen schadenfreude nämlich einen aspekt völlig verdrängt…und zwar das uns bei unmöglichem wetter und zu ner ziemlich bescheuerten uhrzeit der stationsdoc im ort gesehen hatte..und zwar so wie man als junky eben da rumsteht wenn man auf drogen wartet…und nachdem der erste teil der rückfälligen schon die koffer packen durfte und ich noch versuchte irgendwas essbares in mich hinein zu befördern kam einer der pfleger in den frühstücksraum und drückte tanja und mir nen becher für die uk in die hand.

geliefert…15min später sind wir auch am packen…sogar meine bitte meinen koffer hier zu bunkern bis ich am nächsten tag mit nem auto wiederkomme lehnen die ärzte kategorisch ab.. .verdammtes pack…ich bekomme auch noch irgendwie mit wie tanja sich mit frau b zofft…ich höre irgendwas in der art von…du blöde kuh..irgendwann bind ich deinen scheiss pferdeschwanz an die stoßstange von unserem auto und schleif dich die nächsten km hinter der karre her….trotz der bescheuerten situation kann ich mich kaum halten vor lachen…der pfleger neben mir schüttelt verständnislos den kopf…schmunzelt dann aber selber über das gezoffe auf dem gang.

einige zeit später erfuhr ich das frau dr. b an besagtem abend zwei pfleger mit an ihr auto nahm um sicherzustellen das ihr keiner auflauert…

der stationsarzt erteilte mir im vorbeigehen noch das verbot mich innerhalb des nächsten jahres wieder in der kloster-klappse anzumelden…..auch mal was neues…n jahr hausverbot im irrenhaus….bis dahin hatte ich das immer nur in supermärkten geschafft.

also raus aus dem laden….ich schleppe meinen koffer zur tanke…tanja fragt ob ich mit nach treysa will…ihr mann würde uns holen und es gäb auch noch shore…blöderweise wäre ich da noch weiter von zu hause weg….ich habe kaum noch kohle…und methadon im kopf…und der gedanke daran treibt mich an wie ein motor….

meinen koffer bunker ich in der tanke…erkläre denen das ich den bis ende der woche abhole…kaufe mir in dem einen kleinen supermarkt noch zwei tafeln schokolade…wegen der folie…verkriche mich hinter der sporthalle des kaffs und rauche erst einmal ein gut dosiertes blech….ich habe ja noch den rest von der gruppenaktion…irgendeiner der erst-aufgeflogenen war so clever und hat dem pfleger vor dem rauswurf noch seinen päcken in die hand gedrückt…wahrscheinlich in der ehrlichen und aufrichtigen hoffnung das er wegen so viel reue nicht vor die tür gesetzt wird….hat ihn auch nicht gerettet…aber seine shore war weg…das war übrigens der typ der sein komplettes besteck auf dem stationsklo gebunkert hat…na ja..verstand ist leider nicht immer gleichmäßig verteilt in dieser gesellschaft.

nachdem ich mir die kälte etwas aus dem körper geraucht habe trampe ich los richtung fkb und von dort in richtung heimat….

der tag endet ähnlich wie der nach dem letzten abbruch der entgifte…mit dem unterschied das ich mich nicht irgendwo im feld sondern erst zu hause richtig abschieße…ich mir keine überweisung zur nächsten entgiftung organisieren muss…und das ganze experiment therapie erst einmal auf eis gelegt habe…ein paar tage später konnte ich sogar das amt überzeugen das ich n ziemlich hoffnungsloser fall bin und deren versuche mich clean zu bekommen jetzt 4 mal kläglich gescheitert sind…und ich absolut keinen bock darauf habe die nächsten wochen von klinik a nach klinik b zu reisen….es hatt einfach keinen sinn es alle paar wochen zu versuchen..no way.

sie akzeptierten…und ich hatte meine ruhe…dachte ich zumindest.

stay tuned…fortsetzung folgt

euer druffi

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~ von realflippy - 26/09/2013.

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