besuch bei oma und schlafen im hochsicherheitstrakt….frühling oder sommer 94

mein stiefdad war ja nach seiner lustigen überfallserie im bau gelandet….und da die behörden ihn für ziemlich gefährlich und nicht resozialisierbar hielten sollte er für 15 jahre…mit anschließender sv^^ im hochsicherheitstrakt schmoren….

in dieser zeit lernte ich so einige gefängnisse im und um den ruhrpott von innen kennen….gott sei dank nur aus der sicht des besuchers…und das ist…trotz einiger strafen…bis heute so geblieben.

es war also mal wieder zeit hans zu besuchen…meine mutter und ich hatten die tour so geplant, das wir am tag vorher bei meiner oma vorbeifahren….dort übernachten…und am nächsten morgen frisch in richtung bochum starten…

meine ma holt mich also in fkb ab….und auf geht’s auf eine ereignislose fahrt quer durchs sauerland.

nach der ankunft bei meiner oma…den üblichen begrüßungsfloskeln und einem ausgiebigem mittagessen wird es mir langweilig…also packe ich meine jacke und tingele ziellos durch meinen ehemaligen heimatort…hab lust auf gar nix…außer mich abzuschießen…die gegend nervt mich und ich habe auch kein bedürfnis mich mit alten freunden zu treffen… mir steht momentan echt nicht der sinn nach diesem früher im wald gelaber und nostalgischem müll…

ich fahre mit dem bus in die nächste kleinstadt….die szene in der kleinstadt ist nur wenige meter von der zentralen bushaltestelle entfernt…vor einem kaufhaus…ich schlendere gelangweilt und immer genervter über den parkplatz des kaufhauses…beobachte die leute…..suche nach jemandem der nach shore aussieht…aber irgendwie passen mir die leute nicht…zu viele möchtegern-dealer und zu wenig wirkliche druffis… da ich solche typen zu genüge kenne…und keinen nerv darauf habe mir irgendwelchen dreck andrehen zu lassen organisiere ich mir 3 dosen bier und trete den heimweg in richtung oma an.

durch mein gesuche ist die lust mich ein wenig zu bedröhnen natürlich stetig gewachsen …gepaart mit dem frust nix bekommen zu haben….also durchforste ich erst einmal…heimlich natürlich…alle ecken in der wohnung meiner oma von denen ich weiß das sie dort ihre medikamente aufbewahrt….und natürlich werde ich fündig.

eine 20er packung codipront landet in meinem rucksack….und ein fast volles döschen 10 mg adumbran (oxazepam) in meiner hosentasche…der krönende abschluss eines absolut nervigen tages.

meine ma und meine oma verabschieden sich in richtung bett….ich hänge mich mit bier, süßkram und der dose oxas vor die glotze….drehe mir n stick…und rauche erst mal genüsslich das letzte bisschen shit, welches ich noch in meinem rucksack entdeckt hab…zähle mir…während des rauchens…5 oxas in meine hand ab….und werfe sie mir ohne großes nachdenken ein….spüle den ganzen kladeradatsch mit einer dose bier runter und zappe  gelangweilt durch die programme im tv … irgendwie kommt nur scheiß…außer wrestling und mtv….

nach ca 30min merke ich von den oxas…nix…und beschließe gleich noch mal 5 stück nachzulegen…..ist ja erst 22:30…und bis zum morgen ist ja noch etwas zeit^^…

das dümmste was man bei drogen und medikamenten, bei welchen die wirkung etwas zeitversetzt einschlägt…machen kann ist….auf den einschlag zu warten…man ist entweder über die wirkung entäuscht oder man verpasst das einsetzen der wirkung komplett….mir passierte die zweite alternative….denn ungefähr noch einmal ne halbe std später fühle ich mich noch nicht annähernd dicht genug….und werfe mir noch 9oxas hinterher…dazu sichtlich genervt das letzte bier……gott sei dank sind es ja nur 10mg oxas…aber nun bin ich bei 190mg angekommen…das muss doch langsam mal wirken…

ca. 10 min später werde ich müde und gehe pennen.

schlafe…verständlicherweise….wie ein stein und werde am kommenden morgen fast nicht wach….meine mutter erzählte mir hinterher sie hätte 6 anläufe benötigt um mich überhaupt aus den federn zu bekommen.

schnell duschen…frühstück…warum zum teufel trinkt meine oma nur entkoffeinierten kaffee…rinn ins auto und auf nach bochum…

auf der fahrt plapper ich wie ein wasserfall meine mutter voll… irgendwie scheint sie nicht zu merken das ich noch total unter dem einfluss ziemlich starker beruhigungstabletten stehe…sie freut sich darüber das wir mal wieder…wie fast immer auf unseren touren…ein gutes gespräch haben…und ahnt nicht´s von meiner..zugegeben reichlich bescheuerten….aktion der letzten nacht.

das problem bei benzos ist…so lange man irgendwie beschäftigung hat…man reden kann..irgend sowas…bleibt man meistens wach…bekommt man langeweile..pennt man ein….zumindest geht mir das so.

das zeigte sich auch dieses mal…ich halte mich die ganze fahrt von h…hausen bis bochum durch die unterhaltung mit meiner mutter fit…

beim einbiegen auf unseren stammparkplatz der jva bochum…einer allee ..direkt an irgendwelchen bahnschienen…in der nähe des bochumer stadions…merke ich die wirkung der tabletten wieder etwas mehr…aber angenehm erträglich…

gefängnisse sind ne sache für sich…auch als besucher überfällt einen jedes mal ein gewisses gefühl der beklemmung…

besuche im hochsicherheitstrakt sind dann nochmal etwas extremer…beim gespräch sitzt ein jva beamter mit in der besucherzelle…teilweise läuft alles zwischen einer trennscheibe ab…je nach anordnung der staatsanwaltschaft bzw. des richters.

wir haben zu dieser zeit das glück…das wir mit hans mal wieder in einem raum sitzen dürfen…

aber eins nach dem anderen….

raus aus dem auto…die allee ein stück hoch…auf den mit bäumen umrandeten eingangshof der jva…meine beine fühlen sich an wie gummi…und mein outfit ist absolut junk-like…grau-schwarz gestreifte und am knie zerrissene mustangstretch…ausgelatschte turnschuhe…ein schwarz weiß gestreiftes t-shirt fladdert unter meinen grauen pulli hervor…darüber meine zerschlissene lieblingslederjacke.

wir kommen an die pforte…scheiße…das stehen fällt mir immer schwerer….ich lasse meinen blick über die front des gebäudes schweifen…rechts neben dem besuchereingang befindet sich das grüne stahltor für gefangenentransporte und anlieferungen…das tor öffnet sich und ein bulli mit verdunkelten fenstern verlässt das gelände….ich sehe dem fahrzeug gedankenverloren hinterher und verpasse fast den moment des einlasses…aber dank meiner mutter…die sich langsam aber sicher über meine plötzlich auftretende geistige abwesenheit wundert…schaffe ich es grade noch durch die nun freigeschaltete drehtür des haupteingangs zu stolpern….

der rest ist erst einmal routine….perso und besuchserlaubnis abgeben…eintrag durch den beamten in sein wichtiges und übergroßes buch…vergleichbar mit einem buchhaltungs-journal…nur noch dicker…

abgleich mit dem vorgegebenen termin…wichtig da wir ja mindestens einen beamten mit in der besucherzelle haben müssen….anruf im trackt um hans zur besucherzelle zu führen…taschen ausräumen…den ganzen kram in einem schließfach verstauen,

leibesvisitation…normalerweise geht das ganze relativ schnell über die bühne…aber irgendwas läuft heute anders…anscheinend löst mein vertrauensvoller auftritt beim personal ein gewisses misstrauen aus…denn nach der obligatorischen kontrolle mit einem metall-detektor in einer umkleidekabinen ähnlichen box fordert mich eine ziemlich genervt wirkende beamtin dazu auf mich meiner schuhe…meiner socken…und meiner hose zu entledigen…sie kontrolliert jede meiner taschen…die kompletten hosenbeine…meine schuhe und sogar meine socken nach versteckten drogen…denke ich…danach leuchtet sie mit einer taschenlampe in meinen mund..ich muss die zunge anheben damit sie sehen kann ob ich irgendetwas in meinem mundraum versteckt habe.

als sie auch dort nichts findet schüttelt sie…noch genervter als vorher….den kopf und ich darf mich wieder ankleiden.

meine mutter ist schon längst fertig und wartet auf mich…ich berichte kurz über den vorfall…und trotte hinter ihr her in richtung warteraum…

irgendwie wird durch dieses ermüdende ritual die wirkung der oxas noch weiter verstärkt…mir fallen zum ersten mal richtig die augen zu…ich werde nur durch das nervende rumgetolle einiger asiatischer kinder und das laute quäkige geplapper ihrer mütter halbwegs wach gehalten.

nach ca. 15min kommt ein jva beamter und holt uns ab…wir gehen durch ein gewirr von gängen…alle in einer kalten, weißen farbe gehalten. Es gibt kaum tageslicht…dann öffnet der wachmann eine stahltür und wir betreten einen innenhof…es gibt ein paar kleinere grünflächen in diesem hof…einige fahrzeuge der jva stehen vor einem anderen gebäude…wahrscheinlich die verwaltung…ein anderes haus der anlage wird fast vollständig auf der giebelseite von einem baum verdeckt.

wir sind diesen weg so oft gegangen…aber ich erinnere mich beim besten willen nicht mehr daran, welche tür wir genommen haben um zu hans zu gelangen….ich glaube rechts an dem haus mit baum vorbei durch eine kleine stahltür und durch ähnliche gänge wie im gebäude wo die leibesvisitationen usw stattfinden…der geruch von gebohnertem linoleumfußboden legt sich wie ein leichentuch über mein empfinden…beklemmungen und kälte überfallen mich schlagartig….ich schaue nach unten…auf dem boden sind markierungen angebracht…welche einem zeigen wo alles hinführen kann..symbolisch gedacht….in meinem wirren benzokopf zumindest.

ein weiterer gang und ein paar treppenstufen später sehe ich hans..in begleitung zweier jva beamter….dürfen uns zur begrüßung umarmen…(was nicht immer erlaubt war).

wir werden in einen raum mit zwei kleinen tischen geführt…an dem kleineren der einfachen holztische nimmt einer der beamten platz…hans setzt sich an den größeren tisch direkt neben der  trennscheibe..durch die kann man in die benachbarte besucherzelle..die zur zeit natürlich ungenutzt ist sehen…zum glück wurde diese version des besuches vor kurzem bei hans mal wieder abgeschafft…keine ahnung für wie lange…wir nehmen ihm gegenüber platz.

die stühle sind absolut unbequeme holzstühle..die mit sicherheit extra so konzipiert wurden…der besuch soll wahrscheinlich nach maximal 30min an das ende der besuchszeit denken…

kaltes leicht flackerndes neonlicht taucht den ganzen raum in eine surreale atmosphäre….ein klitzekleines…mit weißen metallstreben versehenes fenster sorgte für einen winzigen anteil tageslicht….welches das gefühl der beklemmung aber in keiner weise hemmte.

und genau in dieser surrealen atmosphäre…mitten im hochsicherheitstrakt der jva bochum…direkt neben meiner mehr und mehr besorgten mutter…einem uns immer skeptischer beobachtenden jva-beamten und gegenüber meines lebenslänglich inhaftierten stiefvaters falle ich mit dem kopf auf die unbequeme tischplatte in einer kalten besucherzelle und verschlafe sabbernd neben einer coladose die komplette besuchszeit.

nach den aussagen meiner mutter waren mehrere anläufe nötig mich aus dem tiefschlaf wieder aufzuwecken….sogar zwei beamte durften es mal versuchen mich wach zurütteln….keine ahnung wie sie es letztendlich schafften…zumindest ist keiner auf die idee gekommen mich im knast einfach liegen zu lassen.

auf dem rückweg erzählte ich meiner mutter was ich den abend vorher genommen hatte…sie musste auf einem rastplatz anhalten um mich eine gefühlte viertel stunde entsetzt anzusehen.

dann erzählte sie mir das sie mal eine halbe dieser tabletten genommen habe und fast 12std am stück geschlafen hat…und sie war absolut verwundert das sie auf dem hinweg zur jva nichts außergewöhnliches an meinem zustand und an meiner art bemerkt hat…sonst hätte sie mich im auto schlafen lassen.

komischerweise schlafe ich während der rückfahrt keine minute…bin wach und absolut ansprechbar.

meine mutter setzt mich am späten nachmittag an meiner wohnung in fkb ab…und fährt..zwar immer noch besorgt…aber irgendwie auch erleichtert das sich mein zustand auf der rückfahrt allmählich bessert nach hause..und ich…setze mich auf mein sofa….und freue mich über die beute die ich noch von meiner oma mitgebracht habe…jep…ich habe die 20 codipront noch immer im rücksack…und 8stück müssen erstmal dran glauben…gott sei dank hab ich wenigstens noch ne dose billiges aldibier zu hause…dann knallen die dinger auch schneller….es dauert dank des bieres knappe 15 min bis die seichte, wärmende und entspannende wirkung des codeins einsetzt…und entspannung brauch ich…war ja schließlich n stressiger tag 😉

Advertisements

~ von realflippy - 28/01/2013.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
Glumm

Locker machen für die tägliche Hölle

Text, Books, Rock'n'Roll

Vom Schreiben & Lärmen

Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus

merkwürdige geschichten aus der welt der süchte

Kein Wietpas!

Deutschsprachige Informationen zur Cannabispolitik der Niederlande

traceyh415

merkwürdige geschichten aus der welt der süchte

groooveblog

Gedanken und Perspektiven zur Cannabislegalisierung

Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

Meine Meinung, meine Erlebnisse, meine Phantasien etc.

crossingtheborderline

My heart only blooms when I'm close to tears

int0xic4ted

And those who were seen dancing were thought to be insane by those who could not hear the music.

frl. krise interveniert

....an der Borderline

Antonio Peris Buchbinderwerkstatt

Meinung & Hintergründe zur Drogenpolitik

the junkie agenda

mit nora durch die nacht

%d Bloggern gefällt das: